feel-ok.ch zeigt dir, wie du das Internet und die sozialen Medien sicher, effizient und zu deinem Vorteil nutzen kannst, damit du aus dem Web herausholst, was dir und deinen Mitmenschen gut tut. feel-ok.ch erklärt dir, wie du dich gegen die Schattenseiten der virtuellen Welt schützen kannst, um negative Erlebnisse zu vermeiden.

Inhalte
Diese Artikel interessieren unsere Leser*innen: «Anzeichen einer Onlinesucht», «Pornografie» und «Ich bin ein Star (Sexting)».

feel-ok.ch erklärt dir, wie Internet funktioniert, wie man fragwürdige Infos von guten Inhalten unterscheidet, vertieft das Thema Sex im Netz, erläutert, was die Profile der sozialen Medien wirklich bedeuten, ob Minderjährige online shoppen dürfen, wie man zweifelhafte Angebote im Internet erkennt, wie man im Internet auf der sicheren Seite bleibt und wie man sich gegen Cybermobbing schützt.

Bist du Tag und Nacht online oder immer am Gamen? Dann finde heraus, warum eine Online-/Gamesucht kein harmloses Problem ist und was du dagegen machen kannst.

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Nützliche Adressen

Die Kernaussagen dieses Artikels zum Anhören in 6 Minuten.

Für den Einsatz der Audiodatei mit Jugendlichen empfiehlt feel-ok.ch das Arbeitsblatt zum Thema „Fake News (Desinformationen), Fehlinformationen und Deepfakes” als didaktische Unterstützung herunterzuladen.

Fake News, Fehlinformation, Deepfakes
Inhalt

Warum Fake News leichtes Spiel haben

Das Wichtigste in Kürze

Um dich vor Einflussversuchen zu schützen, ist es entscheidend, dass du verstehst, wie Gehirn und soziale Medien funktionieren. 

Unser Gehirn nutzt Abkürzungen, um schnell Entscheidungen zu treffen. Diese sogenannten kognitiven Verzerrungen machen uns jedoch anfällig für Falschmeldungen. Zu den kognitiven Verzerrungen gehören:

  • Bestätigungsfehler: Du glaubst eher Informationen, die dein aktuelles Weltbild stützen, und ignorierst Gegenargumente.
  • Vertrautheitsfehler: Je öfter du eine Behauptung hörst, desto wahrer fühlt sie sich an – auch wenn sie erfunden ist.
  • Verfügbarkeitsfehler: Besonders emotionale oder schockierende Meldungen bleiben besser im Gedächtnis und wirken dadurch glaubwürdiger.
  • Selbstüberschätzungsfehler: Wer glaubt, „zu schlau” zu sein, um auf Fake News hereinzufallen, ist am gefährdetsten, da er oder sie Informationen weniger kritisch prüft.

Soziale Medien verstärken diese Effekte, um deine Aufmerksamkeit so lange wie möglich zu binden. Dabei helfen zwei Mechanismen:

  • Filterblasen: Algorithmen zeigen dir nur Inhalte, die deinen Interessen entsprechen. Andere Themen und Argumente werden ausgeblendet.
  • Echokammern: Wenn du nur Menschen folgst, die deine Meinung teilen, hörst du deine eigenen Ansichten wie ein Echo immer wieder und fühlst dich darin bestätigt.

Das Ergebnis ist eine «Bubble», in der falsche Informationen leichtes Spiel haben, Gefühle und Überzeugungen zu beeinflussen. Wer weiss, dass Menschen manipulierbar sind, bleibt im Netz wachsamer.

Um sich vor Fake News zu schützen, muss man verstehen, wie unser Gehirn und die sozialen Medien funktionieren.

Unser Gehirn nutzt Denkmuster, um schnell, mit wenig Aufwand und mit knappen Informationen Entscheidungen zu treffen - andernfalls müssten wir jede Situation völlig neu analysieren, was viel zu aufwendig wäre. Diese Denkmuster nennt man kognitive Verzerrungen (englisch: Bias).

Kognitive Verzerrungen 

Kognitive Verzerrungen sind Segen und Fluch zugleich. Segen, weil sie uns helfen, in einer komplexen Welt schnell Entscheidungen zu treffen. Fluch, weil sie uns anfällig für Fake News und Fehlinformationen machen.

Es gibt viele kognitive Verzerrungen. Du kannst sie nicht ganz ausschalten, aber wenn du weisst, dass es sie gibt und wie sie funktionieren, bist du gewarnt und achtest darauf. Zu den kognitiven Verzerrungen zählen unter anderem:

  • Der Bestätigungsfehler (Confirmation Bias): Man sucht und glaubt eher das, was zur eigenen Meinung, zum eigenen Weltbild und zu den eigenen Werten passt. Alles, was dem widerspricht, wird ignoriert oder heruntergespielt.
  • Der Vertrautheitsfehler (Illusory Truth Effect): Je öfter man etwas hört, desto wahrer kommt es vor. Deshalb wiederholen Fake News oft dieselben Behauptungen: Dadurch wirken sie glaubwürdiger.
  • Der Verfügbarkeitsfehler (Availability Heuristic): Informationen, die besonders auffällig oder emotional sind, merkt sich das Gehirn leichter. Da wir diese Informationen schneller abrufen können, erscheinen sie uns glaubwürdiger oder wichtiger.

Fake News nutzen diese Denkabkürzungen gezielt aus. Sie vermitteln immer wieder ähnliche emotionale Meldungen, die bestehende Vermutungen oder Überzeugungen bestätigen. Dadurch wirken sie besonders glaubwürdig.

Der Selbstüberschätzungsfehler

Eine weitere kognitive Verzerrung, die Menschen anfälliger für Fake News und Deepfakes macht, ist der Selbstüberschätzungsfehler.

Beim sogenannten Selbstüberschätzungsfehler (Overconfidence Bias) überschätzen Menschen ihr eigenes Können, ihr Wissen oder ihre Urteilsfähigkeit. Gedanken dazu sind: „Ich weiss/kann mehr als die anderen“ oder „Ich lasse mich nicht so leicht täuschen wie die anderen.

Der Selbstüberschätzungsfehler macht es besonders leicht, auf Fehlinformationen und Fake News hereinzufallen, weil man sich von der eigenen Kritikfähigkeit zu sicher ist. Ausgerechnet jene, die überzeugt sind, immun gegen Fake News und Fehlinformationen zu sein, sind besonders anfällig dafür.

Noch schwieriger wird es, wenn man sich eingestehen muss, dass man Falschmeldungen geglaubt hat. Das würde nämlich bedeuten, zu akzeptieren, dass man eben doch nicht „klüger als andere Menschen“ ist.

Wie soziale Medien das Problem verstärken

Kognitive Verzerrungen machen uns anfällig dafür, Fake News zu glauben. Soziale Medien wie Instagram, TikTok und Co. verstärken dieses Phänomen durch Filterblasen und Echokammern. Warum tun sie das?

Weil soziale Medien möchten, dass man möglichst lange in der App bleibt. Dafür sind Inhalte, die starke Emotionen auslösen und starkes Engagement erzeugen, perfekt geeignet – darunter auch Fake News und Deepfakes.

Soziale Medien nutzen zu diesem Zweck zwei Mechanismen:

  • Die Filterblasen: Der Algorithmus der sozialen Plattform zeigt dir nur Inhalte, die zu deinen Interessen, Bedürfnissen und Ansichten passen. Alternative Informationen und Perspektiven erreichen dich nicht mehr.
  • Die Echokammern: Du folgst nur noch Menschen, die genauso denken wie du. Diese Menschen teilen deine Überzeugungen und Werte und verstärken sie dadurch. Durch sie hörst du nur noch deine eigene Meinung wie ein Echo in einer Kammer und fühlst dich darin bestätigt.

Das Ergebnis: Du steckst in einer sogenannten «Bubble». Wenn dort immer wieder die gleichen einseitigen Inhalte und Kommentare auftauchen, können Fake News und Fehlinformationen besonders leicht beeinflussen, was du denkst, fühlst und glaubst.

Kurz gesagt

Zu begreifen, dass kognitive Verzerrungen deine Gedanken lenken, und zu verstehen, wie soziale Medien funktionieren, hilft dir, zu akzeptieren, dass auch du für Fake News, Deepfakes und Fehlinformationen anfällig bist. Wenn du dafür sensibilisiert bist, bleibst du wachsam und aufmerksam.

Aber auch dann stellt sich die Frage, wie du Fake News entlarven kannst. Mit diesem Thema beschäftigen wir uns im Artikel «Werde zum Fakten-Detektiv».

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